Schon der Anflug auf La Paz wirkt wie der Auftakt zu einem Film. Die Stadt liegt eingebettet zwischen den schneebedeckten Riesen Illimani und Huayna Potosí, und mit jedem Meter Höhe öffnet sich ein Panorama, das ahnen lässt, wie groß diese Reise werden wird. Nach einer kurzen Eingewöhnung, ersten Stadtmomenten und einer Wanderung im Mondtal beginnt die Fahrt Richtung Süden. Die Landschaft wird weiter, trockener, eindrucksvoller. Oruro bleibt als farbenfrohe Karnevalsstadt zurück, der Lago Poopó glitzert kurz am Horizont, und wenig später steht man vor einer der unwirklichsten Kulissen Südamerikas: dem Salar de Uyuni.
Die riesige Salzfläche wirkt im ersten Moment wie Schnee, im zweiten wie ein Meer aus Licht. Man fährt über eine mächtige Kruste, die sich bis zum Horizont spannt. Lamas stehen am Rand, als hätten sie längst gelernt, dass Besucher manchmal staunend anhalten. Auf der Insel Incahuasi ragen Kakteen fast zwölf Meter in den Himmel und werfen lange Schatten über das Salz. Vom Vulkan Tunupa aus zeigt sich der Salar dann in seiner ganzen Größe, hell und endlos, ein Bild, das man so schnell nicht vergisst. Wenige Tage später wartet die nächste Besteigung. Der Tapaquillcha bietet einen stillen Blick über das Hochland, über Aschekegel, Vulkanketten und die Weite der Anden. Ab diesem Punkt beginnt das Gefühl, dass jede Etappe größer wird als die vorherige.
Mit der erreichten Höhe wächst auch die Landschaft. Die Laguna Colorada taucht plötzlich wie ein roter Spiegel in der Wüste auf. Flamingos stehen im seichten Wasser, rosa und weiß, als wäre hier jemand mit Pastellfarben experimentiert. Bestens akklimatisiert wartet danach der Licancabur, ein markanter Vulkan, der das Grenzgebiet prägt. Der Aufstieg führt über Geröll, aber am Gipfel öffnet sich eine Fernsicht, die fast surreal wirkt. Die Atacama dehnt sich unter einem aus, trocken, weit, wie ein eigenes Universum. Die nächste Station, das Geysirfeld El Tatio, wirkt dagegen wie ein anderer Planet. Heiße Quellen steigen dampfend aus der Erde, während der Morgen kalt und klar ist.
Ein Abstecher zum Vulkan Pili bringt noch einmal dieses Gefühl von grenzenloser Weite. Dann führt die Route über die Panamericana weiter nach Süden. In Bahía de Inglesa, einem kleinen Ort am Meer, mischen sich Leichtigkeit und Vorfreude: Es ist der Moment, an dem man Kraft sammelt für den letzten, höchsten Berg dieser Reise.
Vom smaragdgrünen Laguna-Verde-See beginnt der Weg Richtung Gipfelregion. Zuerst steht der San Francisco mit über 6.000 Metern an, ein weiterer Schritt in die Höhe, der gleichzeitig Ruhe gibt. Danach geht es mit dem Allradwagen durch eine der einsamsten Bergwüsten der Welt, bis das Basecamp auf 5.270 Metern erreicht ist. Der Ojos del Salado zeigt sich hier von seiner beeindruckendsten Seite. Der Berg ist fast schneefrei, aber hoch, mächtig und weit. Über ein Hochlager führt der Aufstieg langsam hinauf. Die Luft wird dünn, die Schritte kleiner, doch das Panorama intensiver.
Die letzten Meter müssen über leichtes, felsiges Gelände geklettert werden. Dann ist der Moment da: der Gipfel. Fast 6.900 Meter hoch, ein Aussichtspunkt über die gewaltige Landschaft der Anden, über Vulkanketten, Salzseen und die riesige Atacama. Die Rundumsicht ist klar, scharf und unendlich weit. Es ist einer dieser Augenblicke, der leise ist und gleichzeitig alles bedeutet.
Zum Abschluss führt die Reise nach Santiago de Chile. Die Wärme der Stadt, die Alltagsgeräusche, das Leben in den Straßen wirken wie ein sanftes Zurückkehren. Und doch bleibt das Gefühl, dass man oben auf einem der stillsten Punkte der Erde gestanden hat.